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Wie geht eigentlich dieses „gendern“? Teil 2: Gendergerecht formulieren

Wie wir im ersten Teil unserer Reihe gesehen haben, ist Deutsch eine Sprache mit grammatikalischen Geschlechtern. Das bedeutet, dass wir im Deutschen allen Nomen ein Geschlecht zuordnen und sprachlich die Welt in feminim, maskulin und neutrum einordnen. Das betrifft auch die Art und Weise, wie wir über Menschen sprechen...


Aber keine Sorge: auf Deutsch gendergerecht zu formulieren ist gar nicht so schwierig! Heute erklären wir euch, welche Möglichkeiten es gibt und was ihr beachten solltet.


Welche genderneutralen Formen gibt es im Deutschen?


Es haben sich im Laufe der Zeit verschiedene Strategien durchgesetzt, um auch auf Deutsch geschlechtsneutral zu formulieren: von der Doppelnennung („Mitarbeiter und Mitarbeiterin“) über verschiedene Genderzeichen („Mitarbeiter*in“, „Mitarbeiter/in“, „Mitarbeiter:in“) bis hin zu neutralen Formulierungen.


Gendergerechte Sprache als Buchstabensuppe?
Gendergensibel formulieren ist gar nicht so schwer, sondern erfordert vor allem einen Willen zu einem kreativen Umgang mit Worten.


Wir raten dazu, entweder neutrale Formulierungen oder das Gendersternchen zu nutzen. Beide sind relativ barrierearm, neutrale Formulierungen entsprechen gängiger Grammatik, und das Gendersternchen ist inzwischen das am häufigsten genutzte Genderzeichen. Von der Doppelnennung hingegen raten wir ab, denn sie schließt zwar Männer und Frauen ein, denkt aber andere Menschen nicht mit - und kann zudem Texte deutlich länger machen.


Gendergerecht formulieren mit dem Gendersternchen


Aber wie gendere ich nun in der Praxis? Das Gendersternchen mag erstmal ungewohnt sein, lässt sich aber in den meisten Fällen ganz einfach anwenden - nämlich genauso wie der Schrägstrich oder das Binnen-I („Chef/in“, „ChefIn“), die für viele Menschen schon lange selbstverständlich sind.


  • In Nomen setzt man das Sternchen zwischen die maskuline und die feminine Endung, also z.B. „Praktikant*in“, aber auch „Angestellte*r“.

  • Beinhaltet eine der Varianten einen Umlaut, behält man ihn bei: „Ärzt*in“, „Vorständ*in“.

  • Endet die erste Form auf einem Vokal, wird dieser meistens gestrichen: aus „Kunde oder Kundin“ wird „Kund*in“. 

  • Bei Artikeln und Pronomen setzt man das Sternchen zwischen beide Formen: „der*die“, „sein*ihr“ usw.

  • Ausgesprochen wird das Sternchen wie eine Art sehr kurze Pause, der sogenannte Glottisschlag. Den findet ihr in vielen zusammengesetzten deutschen Wörtern - wer „Spiegelei“ oder „beinhalten“ sagen kann, kann auch gendern.

Grundsätzlich stört das Gendern mit Sonderzeichen Lesefluss und -verständnis nicht, man sollte aber trotzdem versuchen, Anhäufungen zu vermeiden. Also statt Konstruktionen wie „der*die Mitarbeiter*in, der*die seine*ihre Sachen im Kühlschrank gelassen hat…“ lieber überlegen, wie man den Satz neutral formulieren könnte. In diesem Fall z.B. „die Person, die ihre Sachen im Kühlschrank gelassen hat…“.


Gendern mit neutralen Formulierungen


Und auch für solche neutralen Formulierungen gibt es viele Möglichkeiten: 

  • Nutzt Begriffe, die geschlechtsbezogene Wörter vermeiden - z.B. „Fachkraft“ statt „Fachmann/Fachfrau“.

  • Stellt euren Satz so um, dass ein neutraler Begriff benutzt werden kann - „alle, die hier arbeiten“ statt „alle Mitarbeiter“.

  • Nutzt direkte Ansprache - „Wenn du eine Frage hast, kannst du sie stellen“ statt „Teilnehmer können Fragen stellen.“

  • Versucht es mit Partizipien - z.B. „die Teilnehmenden“ statt „die Teilnehmer und Teilnehmerinnen“. Aber Achtung: das kann für Leser*innen mit geringen Sprachkenntnissen unter Umständen schwieriger verständlich sein.

Manchmal funktionieren auch Anglizismen, Abkürzungen oder ganz einfach die Mehrzahl. Für ein ausführliches Lexikon mit Vorschlägen empfehlen wir geschicktgendern.de


Gendern mit Doppelpunkt und Co.


Ihr habt vielleicht auch noch andere Genderzeichen gesehen, z.B. den Doppelpunkt (“Kolleg:innen”) oder den Gender Gap (“Kolleg_innen”). Sie funktionieren prinzipiell genau so wie das Sternchen. Allerdings hat zumindest der Doppelpunkt den Nachteil, dass er schon eine Funktion als reguläres Satzzeichen hat und deshalb als Genderzeichen verwirren kann. Der Gender Gap wiederum konnte sich nicht im selben Maße durchsetzen wie das Sternchen. Wir würden deshalb dazu raten, das Gendersternchen zu verwenden, das auch von den meisten trans, nichtbinären und intergeschlechtlichen Menschen bevorzugt wird.


Gendergerecht formulieren: wie ist das mit Pronomen?


Natürlich sind Nomen nicht die einzigen Wörter, die im Deutschen ein Geschlecht haben. Im nächsten Teil erklären wir euch deshalb, wie ihr mit Pronomen und anderen Wörtern geschlechtersensibel umgehen könnt.




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