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Wie geht eigentlich dieses „gendern“? Teil 1: Wann muss ich gendern?

Es ist schon seit einiger Zeit ein viel und heftig diskutiertes Thema: gendergerechte Sprache, auch gendern genannt. Dabei ist „gendern“ (genauso wie das abfällige „Gendersprache“) eigentlich ein bisschen irreführend. Denn als Sprache mit grammatikalischen Geschlechtern ist Deutsch von Haus aus eine „Gendersprache“, die nicht nur Menschen, sondern auch allem anderen ein Geschlecht (engl. „gender“) zuschreibt. Entsprechend bedeutet z.B. im Englischen ein “gendered word” auch ein Wort, dass ein bestimmtes Geschlecht hat und eben nicht geschlechtsneutral ist. Korrekter müsste es also eigentlich „ent-gendern“ oder vielleicht „Anti-Gender-Sprache“ heißen.


Wie geht gendern?


Aber genau hier liegt vielleicht auch das Problem. Es wird viel über Semantik gestritten, statt darüber zu sprechen, wie gendergerechte Sprache ganz pragmatisch angewendet werden kann.

Deshalb wollen wir euch mit unserer Reihe “Wie geht eigentlich dieses “gendern”?” einen kleinen Überblick darüber verschaffen, wie Gendern im (Arbeits-)Alltag ganz konkret aussehen kann.


Wir beginnen mit einer ganz grundsätzlichen Frage, die uns immer wieder gestellt wird: Muss ich denn wirklich immer gendern?


Was ist der Sinn von gendern?


Ein häufiger Fehler und Quelle für Widerstand ist die Annahme, dass alle Wörter immer gegendert werden sollten. Das stimmt aber gar nicht! Der Sinn hinter gendergerechter Sprache ist es, Menschen aller Geschlechter sprachlich einzuschließen. Und das generische Maskulinum, also grundsätzlich die männliche Form zu nutzen und damit alle anderen “mit zu meinen”, schließt Frauen, aber auch nichtbinäre und intergeschlechtliche Menschen eben aus. Dass das so ist und dass es sich ganz konkret auf Vorurteile und sogar das Selbstbild von Menschen auswirken kann, stellt die Forschung insbesondere in Bezug auf Frauen immer wieder fest. 



wie geht gendern
Gendern ist vor allem Übungssache. Für viele wirkt es am Anfang schwierig und unnatürlich, aus der Sprach- und Schreibgewohnheit auszubrechen. So schwer ist es allerdings gar nicht.


Wann sollte ich gendern?


Das heißt: Wichtig ist Gendern vor allen Dingen dann, wenn Sprache Vorurteile und Diskriminierungen verfestigt. Wenn z.B. immer nur von „Professoren“ und „Chefs“ die Rede ist, dann trägt das dazu bei, dass wir bei diesen Berufen vor allem Männer im Kopf haben und sie Frauen sogar weniger zutrauen. Deshalb ist hier Gendern angebracht.  Dasselbe gilt, wenn ihr eine Gruppe ansprecht, in der nicht alle dasselbe Geschlecht haben, denn sonst fühlt sich ein Teil der Gruppe zumindest subtil ausgeschlossen.


Wenn es um Objekte geht, muss Gendern wiederum nicht unbedingt sein - der „Bürgersteig“ z.B. spiegelt keine gesellschaftliche Vorannahme, dass Frauen nicht zu Fuß gehen können (lässt sich aber durch „Gehweg“ trotzdem elegant ersetzen). Auch Markennamen und andere feststehende Begriffe müssen nicht gegendert werden. Allerdings: Wenn sich im Namen eurer Organisation oder Veranstaltung ein generisches Maskulinum verbirgt, könnte es eine Überlegung wert sein, ihn inklusiver zu gestalten. So wurde z.B. aus dem “Studentenwerk” das “Studierendenwerk”.


Kurz gesagt also, gendert immer dann, wenn:


  • Es eine allgemeine Bezeichnung ist, die Menschen aller Geschlechter meinen kann. („An Unis lehren Professor*innen.“)

  • Ihr über eine gemischte Gruppe sprecht bzw. sie ansprecht. („Liebe Mitarbeiter*innen“ oder „Unsere Mitarbeitenden“)

  • Es ein feststehender Begriff ist, der geschlechtsbezogene Machtverhältnisse reflektiert. („Die Bürger*innenversammlung“ - aber nicht unbedingt „der Bürgersteig“).

  • Ihr eine Person ansprecht, deren Geschlecht ihr nicht kennt oder die geschlechtsneutral angesprochen werden möchte. („Sehr geehrte*r Alex Müller.“)


Und wie gendert man?


Nochmal zusammengefasst: Fragt euch, ob ein Begriff Vorurteile gegenüber einem bestimmten Geschlecht beinhaltet, z.B. darüber, wer normalerweise einen Beruf innehat, oder ein Geschlecht ausschließt. Wenn ja, ist gendern meistens sinnvoll. 


Wie genau das geht und wie man Gendersternchen und co. richtig verwendet, erklären wir euch im nächsten Teil dieser Serie.


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