Wie kommunizieren wir miteinander? Redekultur als Diversity-Faktor

In der heutigen Arbeitswelt ist Kommunikation mehr als nur ein Mittel zum Zweck. Sie ist das Herzstück jeder erfolgreichen Organisation. Viel wird dabei über Sprache diskutiert, etwa übers Gendern. Das ist richtig und wichtig, aber zur Kommunikation gehört deutlich mehr. Ein oft übersehender Faktor, der große Auswirkungen auf das Wohlbefinden im Team haben kann, ist die Redekultur. In diesem Artikel geht es darum, was das genau ist und wie eine bewusste und wertschätzende Redekultur euer Team dabei unterstützt, eine inklusive und gleichberechtigte Arbeitsumgebung zu schaffen.
Warum eine inklusive Redekultur so wichtig ist
Eine gute Redekultur bedeutet, dass alle Stimmen gehört werden und jede*r sich einbringen kann, zumindest wenn er*sie es möchte und es laut Funktion und Rolle sinnvoll ist. Das klingt vielleicht erstmal selbstverständlich, ist es aber gar nicht.
Tatsächlich erlebe ich immer wieder Unternehmen, in denen sich Führungskräfte wünschen, dass ihre Mitarbeitende pro-aktiver sind und Mitarbeitende, die das Gefühl haben, nicht gesehen oder gehört zu werden. Mir begegnet in diesen Unternehmen eine Kultur, in der zwar theoretisch alle mitsprechen können – oder sogar sollen – faktisch aber nur einzelne diese Chance auch ergreifen.
Es lohnt sich, hier genauer hinzusehen. Wenn sich manche nicht trauen, ihre Ideen einzubringen, oder einzelne durch ihre Ideen Gruppensituationen stark dominieren, dann können kluge Gedanken überhört werden, die das Team weiterbringen könnten. Aus Diversity Perspektive stellt sich die Frage, wie Führungskräfte verhindern können, dass das passiert. Wie können sie sicherstellen, dass sie das Potenzial von ihrem divers zusammengesetzten Team auch nutzen, insbesondere dort, wo beispielsweise unterschiedliche Hintergründe, Disziplinen, Altersgruppen und Persönlichkeiten zusammenkommen.
Es müssen nicht immer gleichermaßen zu Wort kommen. Es gibt durchaus Räume, die nicht für alle offen sind - und in einem hierarchisch organisierten Unternehmen hat auch nicht jede Stimme gleich viel Entscheidungsgewicht. Gerade deshalb ist es wichtig, jene Räumen, die tatsächlich von unterschiedlichem Input leben, so zu organisieren, dass Mitarbeitende das Gefühl haben, dass ihre Beiträge wertgeschätzt werden. Das steigert auf der einen Seite die Motivation und das Engagement der Mitarbeitenden und ist damit auch die Voraussetzung für Zugehörigkeit zum Team und zum Unternehmen. Zum Anderen ist dies di Voraussetzung für Ideenreichtum und Innovation.
Eine wiederkehrende Alltagssituation, in der die Redekultur alltäglich gelebt wird, sind Meetings. Mitarbeitende können hier immer wieder positive Erfahrungen machen und erleben, dass es sich lohnt, wenn sie sich einbringen. So manifestiert sich eine Kultur, die zur Mitgestaltung einlädt.
Für Führungskräfte bedeutet das: achtsam sein und wahrzunehmen, wie miteinander gesprohcne wird. Dazu gehört auch, wer wieviel Raum einnimt, wie Mitarbeitende aufeinander reagieren und wie Meinungsverschiedenheiten ausgetragen werden.
Beispiel: In einem Teammeeting äußert eine Mitarbeiterin eine innovative Idee. Wird sie sofort kritisiert oder übergangen? Nimmt eine andere Person ihre Idee auf und entwickelt sie weiter? Nimmt das Team ihren Vorschlag ernst? Wenn ja (oder nein), welche Sprache wird dabei genutzt und wie spielen Machtgefälle in die Situation hinein (z.B. Betriebszugehörigkeit, Gender, Alter). Solche Dynamiken mit dem Team zu besprechen, fördert nicht nur das Bewusstsein füreinander, sondern auch das Vertrauen.
Praktische Tipps fürs Beobachten der Redekultur:
Wer ergreift das Wort zu erst?
Wer spricht meistens nur, wenn er*sie gefragt wird?
Wer spricht viel, wer wenig?
Wer fällt wem ins Wort?
Wer spricht eher laut, wer leise?
Welche Formulierungen nutzt ihr?

Redekultur als Diversity-Faktor gemeinsam zum Thema machen
Eine inklusive Arbeitskultur lebt von Vielfalt, doch Vielfalt allein reicht nicht aus. Entscheidend ist, wie diese Vielfalt gelebt wird. Eine wertschätzende Redekultur ist ein ganz konkreter und alltäglicher Hebel, der hilft, Barrieren abzubauen und Vorurteile zu überwinden. Hier schleichen sich nämlich oft Erwartungen ein, die an Gender oder Alter gekoppelt sind. Wer traut wem was zu? Wer übernimmt welche Rolle automatisch? Wer zögert?
Wenn Führungskräfte über die Redekultur sprechen, unterstützren sie ihr Team dabei, sich selbst und ihre Bedürfnisse ernst zu nehmen. So können Teams normalisieren, ihre Bedürfnisse miteinander zu teilen. Sie nehmen sich selbst in die Verantwortung und beginnen zu reflektieren, was eigentlich im Alltag passiert - im Miteiannder. So können sie Strategien finden, die dafür Sorge tragen, dass sich alle gesehen fühlen.
Tipps für eine positive Redekultur:
Aktives Zuhören üben
Feedback konstruktiv und wertschätzend formulieren
Raum für unterschiedliche Perspektiven schaffen
Konflikte offen und respektvoll ansprechen
Sprache bewusst inklusiv gestalten
Mikroaggressionen erkennen und ansprechen
Schulungen zur Sensibilisierung anbieten
Führungskräfte als Vorbilder in der Kommunikation
Wie genau das geht? Beispiel: Ihr könntet die letzten fünf Minuten des Meetings dazu nutzen, um darüber zu sprechen, wie ihr die Redekultur wahrgenommen habt. Eine Frage könnte lauten: Wie wohl habe ich mich heute auf einer Skala von 1-10 gefühlt, mich einzubringen. Alle teilen, reihum. Das Ganze muss gar nicht weiter kommentiert werden, sondern darf einfach stehenbleiben. Wenn solche Praktiken eine Regelmäßigkeit bekommen, können Führungskräfte weiter nachfragen, Entwicklungen beobachten usw.
Weitere für Check-In Fragen zur Redekultur haben wir auf unserer Webseite Time 2 Talk für dich gesammelt. Hier findest du auch ein Template für dich und dein Team, um eure Redekultur zu reflektieren.
Maßnahmen wie Time 2 Talk fördern nicht nur das Miteinander, sondern stärken auch die Innovationskraft des Unternehmens. Denn unterschiedliche Perspektiven führen zu besseren Lösungen, Redekultur als Diversity-Faktor. Es reicht oft nicht, Diversität im Team zu haben - es erfordert entsprechende Methoden und Team Praktiken, damit diese auch wirklich zum Vorteil werden kann.
Die Rolle von Führungskräften in der Redekultur
Führungskräfte tragen hier eine besondere Verantwortung. Sie prägen die Kommunikationskultur maßgeblich. Ihre Art zu sprechen und zuzuhören setzt den Ton für das gesamte Team. Eine positive Redekultur Bewertung beginnt daher oft bei der Führungsebene. Wenn sie anderen ins Wort fallen, neue Ideen direkt abschmettern oder nur sehr selten Wertschätzung finden, hat das eine fatale Auswirkung auf das gesamte Team. Ebenso, wenn Führungskräfte Mitarbeitnde dafür incentivieren, sich gegenseitig auszustechen oder klein zu machen. Es ist ihre Aufgabe, das Teamgefühl zu stärken und zu vermitteln, dass jede*r hier wichtige Beiträge hat.
Empfehlungen für Führungskräfte:
Vorbild sein: Offenheit und Respekt vorleben, andere Meinungen aktiv einholen
Regelmäßiges Feedback geben: Klar, ehrlich und wertschätzend
Dialog fördern: Mitarbeitende aktiv einbinden, Zusammenhänge zwischen Gesagtem herstellen und Teamgefühl hochhalten
Fehlerkultur etablieren: Fehler als Lernchance sehen
Teamkultur reflektieren: regelmäßige Check-Ins
Praktische Umsetzung einer positiven Redekultur im Arbeitsalltag
Die Theorie ist wichtig, doch entscheidend ist die Umsetzung. Wie kann eine positive Redekultur im Alltag konkret gelebt werden? Hier einige praxisnahe Ansätze:
Meetings strukturieren: Klare Rollen und Regeln für Timing, Air Time, Wortbeiträge und respektvollen Umgang festlegen; „Verstöße" klar benennen und Fehlverhalten nicht hinnehmen.
Feedbackrunden: Regelmäßig Zeit für ehrliches und konstruktives Feedback einplanen, explizit nicht nur zum Inhalt sondern auch zur Zusammenarbeit.
Workshops und Trainings: Kommunikationstrainings zur Stärkung der Redekultur anbieten, Methoden wie gewaltfreie Kommunikation an das Team vermitteln.
Solche Maßnahmen helfen, die Redekultur kontinuierlich zu verbessern und nachhaltig zu verankern. Weitere konkrete Tipps und Methoden findet ihr zum Beispiel in unserem Buch Diversity Thinking. Darin wird nochmal viel detaillierter erklärt, wie ihr euren Status quo analysieren könnt und gezielt Verbesserungen gelingen.
Redekultur als Fundament für nachhaltigen Unternehmenserfolg
Eine inklusive und achtsame Redekultur ist kein Selbstzweck. Sie wirkt sich direkt auf den Unternehmenserfolg aus. Studien zeigen, dass Teams mit guter Kommunikation produktiver sind, weniger Konflikte haben und eine höhere Mitarbeiterbindung aufweisen. Zu den langfristigen Vorteilen einer inklusiven Redekultur gehören z.B.
Höhere Innovationskraft durch offene Ideenfindung
Bessere Zusammenarbeit und weniger Reibungsverluste
Stärkere Identifikation der Mitarbeitenden mit dem Unternehmen
Auf dem Weg zu einer inklusiven Kommunikationskultur
Der Weg zu einer wirklich inklusiven und gleichberechtigten Arbeitskultur ist ein Prozess. Er erfordert Mut, Offenheit und die Bereitschaft, alte Muster zu hinterfragen. Die Redekultur ist dabei ein wertvolles Instrument, um Vielfalt im Alltag nicht nur zu akzeptieren, sondern zu feiern und produktiv zu nutzen. Wenn du dir dabei Unterstützung wünscht, wende dich an uns oder schau bei unseren kostenlosen Webinaren vorbei.



